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Esst Schweizer Produkte!  (14.03.2010)
PNOS 2010-03-14_gesundes_essen

Die Schweiz importiert viel ausländisches Fleisch. Im Jahr 2003 hat die Schweiz über 74.000 Tonnen ausländisches Fleisch eingeführt. Vor allem Pferde-, Lamm- und Geflügelfleisch wird gerne im Ausland eingekauft. Vielfach stammt das Fleisch aus China, Brasilien, Ungarn, Neuseeland oder Frankreich. Und diese Länder nehmen es in gewissen sensiblen Bereichen – wie etwa dem Verabreichen von Medikamenten oder der Haltung der Tiere – nicht so genau. Die EU ist ein Paradebeispiel dafür, dass Marktinteressen höher gewichtet werden als das Wohl der Tiere. Im EU-Raum finden täglich Tiertransporte über hunderte von Kilometern statt. Immer wieder werden Schweinetransporte angehalten. Doch für viele Tiere ist es dann schon zu spät: sie sind bereits qualvoll eingegangen. Oder auch Schafe, welche in riesigen Frachtschiffen zusammengepfercht werden, überleben die Schifffahrt von Australien nach Europa vielfach nicht.

Das Beispiel Fleisch offenbart, dass sich wenige Konsumenten wirklich Gedanken um die Herkunft ihrer Nahrung machen. Die Nahrungsaufnahme ist zur Nebensächlichkeit verkommen. Sie dient lediglich der Befriedigung des Hungers und keinem höheren Zweck. Obwohl beispielsweise den Tieren zugeführte Medikamente schlussendlich auch in unserem Körper landen, sobald wir das Fleisch dieser Tiere verspeisen, reagieren viele Schweizer Konsumenten nicht gerade sehr empfindlich auf dieses Thema. Das zeigt sich auch bei anderen Produkten: Wein, Gemüse, Früchte und andere Primärnahrungsmittel werden häufig aus dem Ausland importiert und hier vertrieben – anscheinend mit Erfolg. Ab dem Jahr 2010 werden ausländische Produkte dann noch häufiger in den Schweizer Ladenregalen zu finden sein. Denn ab 2010 greift in der Schweiz das Cassis-de-Dijon-Prinzip: Waren, die in der EU hergestellt wurden, dürfen dann grundsätzlich auch in der Schweiz verkauft werden. Vordergründig soll damit die Hochpreisinsel Schweiz bekämpft werden. Unter dem Strich geht es aber darum, Handelsbarrieren niederzureissen. Nach dem Vorbild der WTO und der EU sollen grenzenlose, riesige Binnenmärkte entstehen. Dadurch soll bei der Nahrungsmittelherstellung auch ein Rationalisierungs- und ein Deregulierungsprozess einsetzen: Produkte sollen dort hergestellt werden, wo die Kosten am tiefsten sind. Die Hochpreisinsel Schweiz existiert ja gerade deshalb, weil viele Nahrungsmittel immer noch in der Schweiz produziert werden – zu Schweizer Produktionskosten logischerweise.

Allmählich wird der Konsument seine Wahlfreiheit verlieren, zwischen in- und ausländischen Produkten zu entscheiden. Denn sollte ein EU-Freihandelsabkommen wirklich einmal zustande kommen, so droht den Schweizer Bauern ein schneller Tod. Es würden höchstens noch einige Grossbetriebe überleben, weil sie in der Lage wären, einigermassen kostengünstig zu produzieren. Viele kleine und mittlere Betriebe aber würden geschlossen. Die Schweiz würde damit in den europäischen Binnenmarkt integriert und würde ihre Ernährungssouveränität vollends auf dem Altar der Marktliberalisierung opfern. Mit der Zeit wird auch innerhalb Europas ein Konzentrationsprozess eintreten, welchem viele kleine Betriebe zum Opfer fallen werden. Vor allem die westlichen Staaten werden sich im Zuge dieser Entwicklung noch mehr auf Dienstleistungen spezialisieren und den ersten und zweiten Sektor (Urproduktion und Industrie) auslagern.

Eine deregulierte Produktion in Europa geht also zulasten der Bauern, der Produzenten und auch der Umwelt. Denn die just-in-time-Produktion, also die auf verschiedene Länder und Arbeitsschritte verteilte Herstellung von Waren, setzt eine riesige Logistik voraus. Regionale Nahrung ist somit eine Lanze gegen die EU, gegen die Globalisierung und den freien Markt.

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